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Janna und ihr Rollwagen

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Jannas Geschichte

Einleitung

Janna war eine aussergewöhnliche Hündin, meine Weggefährtin und Seelenverwandte, die ich über alles geliebt habe.

Auf dieser Homepage möchte ich Janna´s Geschichte erzählen.

Ich möchte durch diese Seite zeigen, das eine solche Krankheit nicht das Ende bedeuten muß, sondern das ein Hund oder auch Katzen, etc. noch ein ganz tolles Leben führen können.

 


 

Der Beginn und Verlauf von Janna´s Krankheit

Janna´s Krankheit begann im Februar 2005 ganz schleichend. Ich war mit ihr und Lea, meiner zweiten Hündin spazieren. Mittendrin knickte Janna auf einmal kurz hnten rechts ein. Erstmal dachte ich mir gar nicht soviel dabei, da zu diesem Zeitpunkt Schnee lag und es teilweise auch ganz schön eisig war. Ich glaubte, Janna wäre einfach ausgerutscht. Aber ich fing an, Janna besser zu beobachten in den folgenden Tagen und es passierte sporatisch immer wieder. So ging ich mit ihr zu meinem Tierarzt Dr. Romberger. Janna zeigte verzögerte Reaktionen beim Reaktionstest der hinteren Pfoten. Dabei wird die Pfote nach hinten gebogen und am Boden gestellt und normalerweise korregiert der Hund die Pfote sofort wieder nach vorne in die natürliche Stellung. Rechts dauerte dies bei Janna länger als links hinten. Eine Röntgenaufnahme zeigte, das Janna beidseitig eine ausgeprägte HD ( Hüftdisplasie ) hatte, sowie auch bereits Arthrose. Dr. Romberger schlug als Behandlung Physiotherapie, sowie Akkupunktur vor. Ich ging die erste Zeit bis zu viermal in der Woche mit Janna zur Behandlung. Christine Burggraf war und ist die leitende Physiotherapeutin der Praxis und kümmerte sich die ganze Zeit um Janna. Die Therapie und auch die Akkupunktur schlugen sehr gut an, Janna´s Reaktionen verbesserten sich wieder und sie konnte eine ganze Weile wieder ohne Beschwerden laufen. Aber die Aussetzer, bzw. das Umknicken kam dann nach ein paar Wochen wieder und es häufte sich. Im April schlug mein Tierarzt vor, ein Expandersystem miteinzusetzen, das zu diesem Zeitpunkt neu auf dem Markt war und aus Österreich kam. Diese Bänder, die vom Geschirr des Hundes mit den hinteren Läufen verbunden werden bewirken, das durch die Zugkraft dieser, der Hund die Beine automatisch wieder nach vorne bewegt und trainiert auch gleichzeitig die Muskulatur. Auch das setzten wir anfangs erfolgreich ein.

Dann im Mai verschlechterte sich Janna´s Gangbild auf einmal rapide. Alle waren sehr besorgt und ich fuhr mit Janna nach München in die Tierklinik- Haar. In Regensburg gab es leider keine Möglichkeit die notwendigen Untersuchungen für eine bessere Diagnostik zu machen. Es mußte eine Kernspintomographie, sowie eine Myologie gemacht werden. Ich hielt Janna im Arm, als sie die Narkose bekam. Mir schnürte es die Luft ab und ich hatte schreckliche Angst um sie. Ich suchte mir ein Hotel in der Nähe und wartete ca. 3 endlose Stunden. Dann kam der erlösende Anruf aus der Klinik. Ich fuhr sofort hin und Dr. Jurina nahm sich viel Zeit mir alles detailiert zu erklären. Außer der HD und der Arthrose, die ich schon wußte, hatte Janna eine neurologische Erkrankung, die sich allerdings auch mit den Untersuchungen nicht eindeutig diagnostizieren ließ. Nach Ausschlußverfahren blieben aber eigentlich nur zwei Möglichkeiten übrig. Entweder hatte Janna einen Rückenmarksinfarkt erlitten oder sie sie hatte eine degenerative Nervenrückentwicklung. Beides war möglich. Eine Operation schloß Dr. Jurina aus, da dies keinen Erfolg bringen würde und meinte, das wir konservativ weiterhin mit Physio und Akkupunktur arbeiten sollten. Auch die Therapie mit einem Unterwasserlaufband wäre hilfreich gewesen, aber zum damaligen Zeitpunkt gab es leider noch keines in Regensburg und Umgebung. Janna ging es dann auch wieder über einen längeren Zeitraum besser. Aber nach und nach wurde sie immer wackliger auf ihren Hinterbeinen und knickte immer öfter ein. Die Lähmungserscheinung rechts hinten war nicht aufzuhalten. Da Janna so keinerlei Schmerzen hatte und ich auch merkte, das sie immer rauswollte zum spazierengehen, wußte ich, das ich eine Lösung für sie finden mußte, denn sie wollte leben und das signalisierte Janna mit jedem Blick an mich. Ich hatte im Vorfeld schonmal davon gehört, das es Rollwagen für Hunde gibt, hatte aber noch nie einen gesehen oder etwas darüber gelesen. So informierte ich mich im Internet über diese Möglichkeit und stieß im September auf die Seite von DoggonWheels. klein

Ich entschloß mich nach mehreren Gesprächen mit Herrn Chmilewski, dem deutschen Kontakt der DoggonWheels Seite und auch einem Besuch bei einer jungen Frau, die ebenfalls eine Hündin mit einem Wagen hatte, den Wagen zu bestellen. Ich fieberte dem Wagen entgegen, denn es war schlimm mitanzusehen, das Janna immer rauswollte, aber dann halt immer öfter hinten einbrach. Dann war es soweit. Nach 10 Tagen war er da. Ich baute ihn am Abend neben Janna zusammen, und sie schien zu verstehen,  das der Wagen für sie ist. Ich hab es ihr wahrscheinlich auch sehr oft gesagt an diesem Abend und Janna verstand alles, was ich zu ihr gesagt habe. Am Morgen fuhr ich dann mit meinen beiden Mädels zu unserem Feldweg hinter. Ich wollte erstmal abseits der Straße sehen, wie Janna im Wagen reagiert. Es kann nämlich durchaus sein, das ein Hund erstmal etwas zögerlich reagiert und auch eventuell zwei, drei Tage braucht sich an den Rollwagen zu gewöhnen, was aber ja nichts schlimmes ist, sondern eigentlich normal. Ich hatte mich also mit vielen Leckerlis bewaffnet, falls Janna Ansporn beim losgehen braucht. Janna wirkte gelassen als ich sie in den Wagen hob, und ging zu meinem großen Erstaunen sofort, wenn auch etwas langsam vorwärts. Erst ein wenig wacklig und verhalten, aber dann legte sie Tempo zu, als wäre es das Natürlichste, das sie mit dem Wagen läuft. Janna hielt an um zu pieseln und auch kurz darauf, na ihr wißt schon, etwas größeres zu fabrizieren. Ich war baff, sie hatte den Wagen sofort akzeptiert. Sie schaute mich an, so als ob sie mir sagen wollte, schau her, ich fall nicht mehr um, das ist super. Dann drehte Janna sich um und rannte richtig los. Mir wurde ein wenig Angst, denn das sah echt ungelenk aus und die Räder flogen regelrecht. Aber Janna war es egal und durch nichts aufzuhalten oder zu bremsen. Auch Lea kam mit Schaun nicht mit und war verblüfft.


 

Dann hielt Janna irgendwann an, drehte langsam um und rannte zu mir zurück. Ich werde diesen Augenblick niemlas in meinem Leben vergessen, als sie bei mir ankam. Dieses Blitzen in ihren Augen und ihr überglücklicher Ausdruck über ihre wiedergewonnene Freiheit. In diesem einen Moment schien die Welt kurz stillzustehen und wir waren die glücklichsten Lebewesen auf dieser Erde. Auch Lea hatte vom ersten Moment an kein Problem damit, das ihre Freundin auf einmal mehr als vier Pfoten hatte, ihre Räder. Dann hatten wir eine richtig tolle Zeit. Janna perfektionierte jeden Tag ihre ganze Art mit dem Wagen umzugehen. Anfangs blieb sie schonmal mit einem Rad an einem Laternenmast hängen oder an einer Bordsteinkante. aber nach kürzester Zeit war auch das keine Thema mehr für sie und sie konnte ihre Abmessungen und deren Auswirkungen exakt einschätzen. Wenn Janna über die Straße ging, legte sie auf der anderen Seite immer ein klein wenig Tempo zu und schwupp war sie oben. Sie jagte Steine und buddelte mit Lea nach Mäusen. Ab und zu fuhr sie Lea mal mit einem Rad über eine Pfote, aber das tat Lea nicht weh, denn der "Wagen" ist ja ganz leicht gebaut. Sie rackerten und spielten zusammen und daheim hatte Janna ohne Wagen ihre eigene Methode vorwärts zu kommen.  Es ist ganz erstaunlich wie natürlich Tiere mit Behinderungen umgehen, sie akzeptieren es und sind glücklich, das sie leben. Es geht nicht drum was andere denken, es spielt für sie keine Rolle. Wir können viel von unseren Gefährten lernen. Diese Leichtigkeit der Akzeptanz auf der einen Seite des Betroffenen und auch die Akzeptanz der anderen auf die diejenigen treffen. Es war schön zu sehen, wie unbekümmert alle mit der Situation zurecht kamen. Aber zurück zu Janna. Der Winter kam und 2005 war einer der strengsten und übelsten Winter an die ich mich erinnern kann. Als das erstemal so richtig Schnee fiel und liegenblieb, bekam ich es mit der Angst zu tun. Kann Janna da mit dem Wagen durch und hat sie da noch Spaß? Und sie hatte Spaß. Janna ließ sich auch davon nicht beeindrucken und jagte ihre heißgeliebten Steine und natürlich auch Schneebälle. Aber der Winter forderte auch seinen Tribut. Durch die Lähmung wurde Janna empfindlicher was Blasenentzündungen betraf, das will ich hier nicht verschweigen. Durch die lange Kälte und Nässe wurde das natürlich gefördert. Aber mit Antibiotika war auch das in den Griff zu bekommen. Was meiner Meinung nach ganz wichtig ist, ist das man trotz der Lähmung, die einseitig sein kann oder auch auf beiden Seiten, wie beim Menschen Phisiotherapie macht. Es erhält die Muskulatur und fördert auch, das eben die Blasenfunktionen nicht einschlafen. Janna war immer entspannt bei der Physio, meistens jedenfalls, wenn mein "Little Wolve" nicht grad mal keine Lust drauf hatte. Christine, die Physiotherapeutin kümmerte sich liebevoll um sie und es entwickelte sich eine Freundschaft daraus, die bis heute anhält. Es war auch ganz erstaunlich, wie Janna´s Körperbau sich veränderte. Janna hatte einen muskulösen Oberkörper, manch gesunder Hund träumt davon. Christine selbst war auch immer ganz erstaunt, wie kräftig sie war. VMYj-10x-1

Wir mußten zwar mit dieser Blasengeschichte noch eine Weile kämpfen, weil sich der Winter solange dahinzog, aber Janna fühlte sich trotz allem wohl. Anders, als bei uns Menschen scheint eine Blasenentzündung für die Wuffis nicht schmerzvoll zu sein, was natürlich nicht bedeutet, man kann diese aussitzen, sondern man muß schon was dagegen tun. Der Winter zog sich dahin und außer Lea, hatten wir alle längst genug davon. Janna verzog manchmal regelrecht das Gesicht, als Ende März, Anfang April immer noch Schnee lag. Dann endlich verzog sich der Winter und Janna konnte wieder mit Lea um die Wette nach Mäusen buddeln. Wobei mein "Little Wolve" vornehm grub und Lea die Grobarbeiten überließ. Dann eine Woche vor Pfingsten wollte Janna auf einmal nicht mehr laufen. Ich konnte versuchen, was ich wollte, aber wenn sie nicht wollte, blieb Janna einfach gnadenlos stehen. Ich konnte es nicht nachvollziehen, und so versuchte ich mit allen Mitteln, wie Putenwurst oder ähnlichem, mein "Mäusekind" zum gehen zu animieren. Was ich damals nicht verstand und auch nicht wußte, war, das Janna eben doch diese "Nervenrückentwicklung" hat, und zu der Zeit wohl einen Schub hatte. Diese Art des Krankheitsbildes ist bei Hündinnen wohl eher selten, aber bei Janna war es dann halt leider so. Es sollte noch lange dauern, bis ich das begriff.

Janna veränderte ihr Verhalten täglich, klagte aber nie, so das ich nie wußte, was auf mich zukam. Ich versuchte es eine Weile so, wußte aber, das wir Hilfe brauchten. Denn allein hatte ich keine Chance, dieses Wirrwarr zu durchbrechen. Ich schaute also im Internet nach Tiertherapeuten und in Regensburg sprach mich nur eine Seite an. Die von Cornelia Tschischke. Ich rief sie an und schilderte ihr unserere Situation und wir vereinbarten einen sehr kurzfristigen Termin. Janna´s Verhalten war anstrengend zu der Zeit und Cornelia nahm sich viel Zeit, sich in unsere Situation hineinzuversetzen. Wir gingen von einer psychischen Situation aus, denn körperlich schloß ich ja damals aus, das bei Janna noch was war. Ich machte mir Vorwürfe, weil ich Janna einmal etwas angeschrien hatte in einer Runde vorher und dachte ich bin schuld an dem, was da grad passierte. Aber das stellte sich als falsch raus. Cornelia versuchte mich erstmal zu beruhigen, was ich auch dringend brauchte, weil ich mir natürlich immer Gedanken machte. Janna bekam Globuli, die Cornelia genau auf sie abstimmte und mir auch Tips im allgemeinen Umgang mit Janna gab. Das alles wirkte und Janna fing an wieder zu laufen ohne Stress. Ich bin Cornelia heute noch sehr dankbar für ihre Hilfe, ohne sie hätte ich das nie geschafft. Sie hatte immer ein offenes Ohr für Janna und mich und scheute keine Mühe uns zu unterstützen. Janna, Lea und ich durften dadurch einen schönen Sommer und Herbst verleben und wir gingen überall hin, ob in den Park oder in den Biergarten, rumtoben, Janna war für alles zu haben. Sie entschied manchmal sogar eigenmächtig, wenn sie einkehren wollte*lächel*. Sie war wieder da und genoß es in allen Zügen.

Ich weiß nicht, es ist schwierig für mich Janna´s weiteren Krankheitsverlauf aufzuzeigen, ohne das ich manchen abschrecke. Das ist aber nicht das, was ich will. Denn Janna´s Vermächtnis ist aufzuzeigen, das auch ein Hund mit ihrer eher seltenen Art von Verlauf, ein bis zum Schluß glückliches Leben führen kann.

Janna bekam im Winter 06 einen Schub und ihr Rücken konnte es nicht mehr so stabilisieren. Also baute ich einen Gurt für sie, der sie stützen sollte. Das funktionierte aber nur bedingt. Wir mußten lernen, das die Runden einfach kürzer wurden, dafür öfter und Janna auch damit zufrieden war. Im Februar 07 ließ ich mir noch die Erweiterung des Wagen´s schicken, weil ich dachte, wir könnten Janna damit noch mehr entlasten. Aber so sehr ich Janna´s Räder unterstütze, muß ich auch sagen, das die Erweiterung doch eher für Wuffi´s gedacht ist, die eine OP hinter sich haben und ihn zur Rehabilitation brauchen, für den normalen Gebrauch ist er eher sehr einschränkend. Dies soll keine Wertung sein, denn alle meine Aussagen sind nur von Janna ausgehend. Sie konnte damit nicht umgehen und so ließ ich sie mit ihrem Wagen einfach ihre kurzen Runden gehen, die sie dann auch genießen konnte.

Janna´s Krankheit schlug Ende April 07 ein letztes Mal zu. Sie hatte einen Schub, der sie vom Kopf weg lähmte. Erst da wurde mir so richtig bewußt, das sie doch diese "degenerative Nervenrückentwicklung" wirklich hatte.

Janna war eine sehr stolze Hündin, sie führte ein Rudel an, dem Rex und Lea angehörten. Rex mußte uns zwar schon vorher verlassen, aber Lea und ich waren da.  Ich hatte ihr im Verlauf dieser Krankheit immer versprochen, das wenn der Tag kommt, an dem sie nicht mehr würdevoll leben könnte, ich sie gehen lassen würde und genau das hab ich getan. Janna, Lea und mir blieben zwei Tage, um Abschied zu nehmen und die haben wir genutzt. Janna wußte zu jeder Minute, wie ich entschieden hatte und wir genossen die Zeit, die uns blieb. Lea legte sich zu uns und wir waren wie drei Musketiere: *Einer für alle, alle für einen*. Wir kuschelten, weinten und spielten, eine bizarre Situation, die einfach nur Liebe beschreibt.

Am 28. April 2007 begleitete ich Janna zum Rand des Regenbogenlandes und sie lief über den Regenbogen ohne ihren Rollwagen.

Ich werde nie eine Sekunde bereuen, die wir mit dieser Krankheit durchlebt haben, eher bereu ich, das ich den Rollwagen nicht schon ein paar Wochen früher geordert habe. Janna hat mir viel gelernt, unsere Hunde, Katzen, oder andere gehen mit Behinderungen viel besser um, als wir Menschen es je können werden, auf Grund unserer Vorbehalte. Janna lief mit ihren *sechs Beinen* wacher und liebevoller durch´s Leben, als viele von uns mit zwei gesunden Beinen.

Ihr Rollwagen steht bei mir und ich hoffe, ich kann eines Tages noch einen Hund glücklich damit machen, denn ich würde ihn jederzeit für einen hilfebedürftigen Wuffi zur Verfügung stellen, allein schon, damit ich noch einmal dieses Lächeln sehen kann, das dann auftritt, wenn es im Sprint losgeht in die Wiese, so wie bei Janna.

Mein`"Little Wolve" meine große Seelenverwandte, ich umarm dich und weiß, das du immer bei mir bist und ich hoffe, deinem Beispiel an Lebenswillen und Lebensfreude folgen noch viele andere.

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